TEGELORTER - Achter Fahrt mit Birke
Berlin längs, den Müggelsee quer
Meine Premiere bei der Gemeinschaftsachtertour am 18./19. Juli 2026
Zwei Tage, zwei Achter, mehr als hundert Kilometer und Berlin fast vollständig vom Wasser aus: Die Gemeinschaftsachtertour unseres Ruderclubs Tegelort und des befreundeten Rudervereins Birkenwerder war für mich eine echte Premiere. Noch nie zuvor hatte ich an einer Freundschaftstour im Achter teilgenommen, und schon gar nicht an einer Fahrt mit mehr als 100 Kilometern. Auch für Eliane und Tibor aus unserem Verein war dieses Format Neuland. Wir drei ahnten ungefähr, worauf wir uns eingelassen hatten. Zumindest, was in der Ausschreibung stand.
Nach der Hitze der vorangegangenen Tage meinte es das Wetter ausgesprochen gut mit uns. Angenehme Temperaturen und insgesamt beste Ruderbedingungen sorgten bereits beim Start für gute Stimmung. Nur der Wind sollte später noch zeigen, dass „bestes Ruderwetter“ durchaus mehrere Facetten haben kann.
Die gemeinsame Achtertour zwischen unseren beiden Vereinen ist längst eine schöne Tradition. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst viele Kilometer auf Berliner und Brandenburger Gewässern zurückzulegen. Mindestens ebenso wichtig ist das gemeinsame Unterwegssein: Die Mannschaften wurden vereinsübergreifend zusammengestellt, Bootsplätze gewechselt, Erfahrungen ausgetauscht und neue Kontakte geknüpft. Gerade wir „Erstlinge“ wurden schnell und herzlich aufgenommen. Schon nach den ersten Kilometern waren aus zunächst unbekannten Ruderkameradinnen und Ruderkameraden angenehme neue Ruderbekanntschaften geworden.
Am Samstagmorgen starteten wir um 8 Uhr am Tegelorter Steg. Vor uns lagen mehr als 60 Kilometer über Berliner Kanäle, Spree, Dahme, Seddinsee, Gosener Gewässer, Müggelspree und Müggelsee bis zum Berliner Ruderclub Ägir. Für Sonntag waren weitere 45 Kilometer zurück nach Tegelort vorgesehen.
Schon die Berliner Stadtdurchquerung war ein besonderes Erlebnis. Vom Wasser aus präsentiert sich die Hauptstadt völlig anders: Brücken ziehen über die Köpfe hinweg, Hausfassaden stehen direkt am Kanal, Spaziergänger winken vom Ufer, und hinter jeder Kurve wartet ein neues Stück Berlin. Mal städtisch und industriell, dann plötzlich wieder erstaunlich grün und ruhig.
Hinter dem Westhafen legten wir eine längere Frühstückspause ein. Nicht etwa, weil die Mannschaften bereits nach wenigen Kilometern erschöpft gewesen wären. Der Grund war die Berliner Unterschleuse (Tiergartenschleuse), die am Wochenende erst kurz nach elf Uhr öffnet. So wurde aus einer notwendigen Wartezeit eine ausgesprochen angenehme Frühstücksrunde. Brote und allerlei Proviant kamen zum Vorschein, während wir darauf warteten, dass Berlin uns die Weiterfahrt gestattete.
Die Schleusenpassagen gehörten ohnehin zu den prägenden Erlebnissen der Tour. Sie boten Gelegenheit, die Hände auszuschütteln, einen Schluck zu trinken und fachkundig darüber zu spekulieren, wann es wohl weitergehen könnte. Gleichzeitig waren sie Teil des besonderen Reizes der Stadtdurchfahrt: Mitten im Achter, zwischen Kaimauern, Brücken und Ausflugsschiffen, erlebt man Berlin aus einer Perspektive, die selbst vielen Berlinerinnen und Berlinern verborgen bleibt.
Im Achter selbst war echte Teamarbeit gefragt. Acht Ruderer müssen möglichst gleichzeitig dasselbe tun, idealerweise im selben Moment. Gelingt das, läuft das Boot erstaunlich leicht. Gelingt es nicht, merkt man ebenfalls sehr schnell, dass acht Menschen beteiligt sind. Unsere gemischten Mannschaften fanden jedoch zunehmend besser zusammen. Kommandos wurden weitergegeben, Plätze gewechselt, technische Hinweise ausgetauscht und natürlich ausreichend gelacht. Der gemeinsame Humor erwies sich dabei fast als ebenso wichtig wie der „richtige Druck am Blatt“.
Nach der Stadtdurchfahrt wurden die Gewässer weiter und die Ufer grüner. Besonders eindrucksvoll war die Fahrt über die Müggelspree. Dort begegneten uns zwei sehr unterschiedliche Welten: alte DDR-Wochenendhäuser mit kleinen Gärten, Bootsschuppen und liebevoll gepflegten Stegen wechselten sich mit modernen Villen und architektonisch ambitionierten Neubauten ab. Zwischen Gartenzwerg und Designerlounge lagen manchmal nur wenige Ruderschläge.
Das sportliche Finale des ersten Tages lieferte der Müggelsee. Kräftiger Wind und deutliche Wellen machten die Querung zu einer Herausforderung. Unsere Achter stampften, Wasser spritzte, und der Satz „gemeinsam durchziehen“ bekam plötzlich eine sehr konkrete Bedeutung. Als Neuling stellte ich fest: Ein Achter ist zwar groß, der Müggelsee aber eindeutig größer. Konzentriert und geschlossen erreichten wir dennoch sicher unser Ziel bei Ägir.
Nach dem Versorgen der Boote und dem gemeinsamen Abendessen verbrachten wir einen ausgesprochen vergnüglichen Abend auf der Terrasse des Rudervereins. Bei bester Stimmung wurden die Erlebnisse des Tages ausgetauscht, besonders gelungene Ruderschläge gewürdigt und manche Situation im Rückblick vermutlich etwas dramatischer dargestellt, als sie tatsächlich gewesen war. Gerade dieser Abend zeigte, worum es bei einer Gemeinschaftstour neben der sportlichen Leistung geht: um Begegnungen, Gespräche und das Gefühl, über Vereinsgrenzen hinweg gemeinsam unterwegs zu sein.
Am Sonntagmorgen ging es nach Frühstück und Bootsverteilung zurück Richtung Tegelort. Die ersten Schläge waren bei einigen Beteiligten noch etwas vorsichtiger als am Vortag, doch erstaunlich schnell fanden unsere Mannschaften wieder ihren Rhythmus. Über Müggelspree, Oberspree, Teltower Spree und Landwehrkanal näherten wir uns Kilometer für Kilometer dem heimischen Steg.
Und auch das Timing stimmte: Pünktlich, bevor am Sonntagnachmittag um 17 Uhr der angekündigte Regen einsetzte, legten wir in Tegelort an. Die Boote wurden gemeinsam gesäubert und eingelagert, anschließend beschlossen wir die Tour in bester Stimmung bei einem wohlverdienten Bier.
Ein besonderer Dank gilt Andreas von „Birke“, der die gesamte Tour als Fahrtenleiter hervorragend organisiert und sicher geführt hat. Ebenso danken wir Mike, der bei unserer Stadtquerung viele großartige Fotoimpressionen eingefangen hat und damit dafür sorgte, dass diese Tour nicht nur in unseren Köpfen, sondern auch in Bildern lebendig bleibt.
Nach insgesamt mehr als hundert Kilometern wieder am heimischen Steg zu stehen, war ein großartiger Moment. Müde? Natürlich. Etwas steif? Durchaus. Aber vor allem begeistert. Für Tibor, Eliane und mich war diese erste Gemeinschaftsachtertour ein besonderes Erlebnis: sportlich anspruchsvoll, landschaftlich abwechslungsreich und menschlich ausgesprochen bereichernd.
Mein Fazit: Berlin lässt sich hervorragend im Achter durchqueren. Man braucht Ausdauer, Humor, ausreichend Proviant, Gelassenheit gegenüber Schleusenöffnungszeiten und vor allem eine gute Gemeinschaft. Genau die hatten wir.